RAVE UP - VIENNA'S INDEPENDENT SHOP  - 1060 WIEN, Hofmühlgasse 1, Tel. 01 596 96 50

Liebe Freunde, liebe Kunden,

 

wir wünschen uns Politik statt Worthülsen und Pöbeleien, ob aktuell wieder mal vor Ort oder jenseits des Atlantiks. Die westlichen Gesellschaften des Spektakels scheinen sich längst an diese Inszenierungen gewöhnt zu haben, der Rest rasselt mit den Säbeln, die diese ihm liefern. Alles schaukelt sich hoch in einer unheilvollen Spirale. Als gutes Leben gilt letztlich dasjenige im Streben nach Geld – Krisen und Elend hin oder her. Die dabei Erfolgreichen kehren nie wieder in das Land ihrer Vorfahren zurück, die anderen versuchen, ungesehen nach Hause zu schleichen. Aber Ruhm wird heute in einem bitter schmeckenden Kelch kredenzt. Um das alles unversehrt zu verdauen, bieten wir euch gute Musik, die Mut machen soll.

Und hier sind unsere Empfehlungen dazu:

SOPHIA – holding on/letting go

SOPHIA
holding on/letting go LP/CD

Mit „Holding On/Letting Go“ erscheint das achte Studioalbum von Sophia. Als würde Robin Proper-Sheppard einen Kreis schließen wollen, ist es außerdem seit dem Debüt „Fixed Water“ (1996) das erste Album in voller Bandbesetzung. Auch unter den zehn neuen Stücken finden sich wahre Hymnen, die in den richtigen Momenten für Gänsehaut sorgen. Allen voran „Alive“ mit Terry Edwards klagendem Saxophon, „Gathering The Pieces“ oder „Wait (I’m Sorry)“. Andererseits warten Sophia auf ihrem vielleicht letzten Album auch mit härteren Rocksongs auf, wie mit dem Opener „Strange Attractor“ oder „We See You (Taking Aim)“, einem politischen Song gegen die Macht des einen Prozents. Musikalisch vernimmt man hie und da Progressive-Rock-Einflüsse, mal klingen sie ein wenig nach den ehemaligen Label-Kollegen The Cure und immer auch ein bisschen nach den Gallagher-Brüdern. Insgesamt ist das Album etwas ausgeglichener und aufgeräumter als die bisherigen, es krächzt und knarzt weniger, dafür gibt es „cleane“ Aufnahmen und weniger Ausflüge in experimentelle Gefilde. Sophia zeigen, dass sie auch heute noch der Inbegriff von Songwriter-Rock sind. Vielleicht mit weniger epischen Auswüchsen, aber immer noch tiefgehend bis in die Haarspitzen und doch so offen und umarmend wie der stille, sonnige Morgen nach einer langen Nacht. Auf „Holding On/Letting Go“ führen sie fort, was sie vor knapp einem Vierteljahrhundert begonnen haben. Ob sich Sophia nun verabschieden oder es eben doch nur ein „vorerst“ letzter Schritt ist, bleibt offen. Man würde sie in jedem Fall vermissen.

alive
we see you
SUMAC – may you be held

SUMAC
may you be held LP/CD

Das Trio Aaron Turner (Isis, Old Man Gloom), Brian Cook (Russian Circles) und Nick Yacyshyn (Baptists) setzt dort an, wo es mit seiner von der Kritik gefeierten LP „Love in Shadow“ aufgehört hat. Formwille und freie Erforschung, einmal akribisch detailliert und komplex, dann wieder rudimentär und sich wiederholend und völlig ungebunden, scheinbar zufällig – „May You Be Held“ ist ein Album, das zwischen extremer Disziplin und Kontrolle und fast wilder Energie oszilliert. Textlich folgt es den humanistischen Themen der letzten Platte, geprägt noch durch Turners Assoziationen zu Vaterschaft und Familienleben. Zusammengesetzt aus Spuren der „Love in Shadow“-Session mit Kurt Ballou im Robert Lang-Studio, einer weiteren Session, produziert vom legendären Matt Bayles, und ergänzende Arbeiten im House of Low Culture spiegeln die zeitlichen Verschiebungen und den langwierigen Umfang ihrer Entstehung wider.

the iron chair
ANNA VON HAUSSWOLFF – all thoughts fly

ANNA VON HAUSSWOLFF
all thoughts fly LP/CD

Die schwedische Visionärin Anna von Hausswolff schafft mit „All Thoughts Fly“ das seltsamste und gleichzeitig betörendste Album des Jahres. Wenn Ihr erster Gedanke ist, dass es eine Schande oder mehr noch eine Verschwendung ist, von Hausswolffs auffällige, quecksilberne Stimme wegzulassen, ist dies eine Annahme, die hinfällig wird, sobald das Album sich zu entfalten beginnt. Mit kleinen, geschickten Kunstgriffen eröffnet sie eine verwirrende Reihe von Stimmungen, Emotionen und Geräuschen, die von der federnden Verspieltheit des Opener „Theatre Of Nature“ zu Momenten drohenden Unbehagens und zu Perioden gesprenkelten Ambientes übergehen, die wehmütige Visionen von hellem, reinem Sonnenlicht hervorrufen, gebrochen durch Tautropfen, die an den Blütenblättern seltsamer, fleischiger Blumen haften. Es ist eine charmante, äußerst einhüllende Platte, und es lohnt die Zeit, sich darin zu verlieren.

all thoughts fly
sacro bosco
THE EX – disturbing domestic peace/history is whatʼs happening   2 lps

THE EX
disturbing domestic peace/history is whatʼs happening 2 lps 

Gab es in Wien in den 1980er Jahren noch die Gassergasse, dann die Ägidigasse, das Rotstilzchen und später das alte Flex, existierten in Amsterdam dutzende besetzter, selbstverwalteter Häuser und Projekte. Das alternative Leben also in seiner voller Blüte. Eine zentrale Band von damals waren The Ex. Sie repräsentierten quasi den kraftvollen, jugendlichen Sound der Szene. Natürlich mit eigenem Label, neuen Vertriebsstrukturen und die Produktion in Handarbeit. Eine weitere Stärke war von Anfang an ihre kulturelle Offenheit. Diesen internationalistischen Ansatz haben sie u.a. mit kurdischen und afrikanischen Musikern demonstriert. Unvergessen sind auch ihre Songs über den Spanischen Bürgerkrieg oder zur Unterstützung des britischen Bergarbeiterstreiks und zu den Freiheitsbewegungen in Mittelamerika. Jetzt haben sie ihre erste und zweite Platte von 1980 und 1982 wiederveröffentlicht, die viel mehr sind als Zeitdokumente. No pasaran!

the ex - band
1980: ernstige rellen bij ontruiming 'de vondel' in de vondelstraat, amsterdam - oude filmbeelden
MAKAYA MCCRAVEN – universal beings e&f sides

MAKAYA MCCRAVEN
universal beings e&f sides LP/CD

Genau, das Jazz-Label der Stunde: International Anthem präsentiert das neueste Projekt von Drummer/Producer Makaya McCraven und ist ein Addendum zum gefeierten 2018er-Release „Universal Beings“. Der Labelchef veröffentlicht 14 neue Tracks der Original Sessions, produziert von Makaya für den Soundtrack zum gleichnamigen Dokumentarfilm. Spätestens seit dem Rework von Gil Scott Herons Spätwerk „Iʼm New Here“ ist der Tausendsassa in aller Munde. Auf seinem Label folgt ein Toprelease dem anderen. Jazz am Puls der Zeit, mehr noch, viele Schläge voraus. Miles ahead!

international anthem
universal beings
DERADOORIAN – find the sun

DERADOORIAN
find the sun LP

Angel Deradoorians zweite LP ist dunkler, weniger poliert, schwebend-meditativ. Selbst in ihren psychedelischsten Momenten verleiht die Fuzzy-Ästhetik ihrer Musik ein geerdetes Gefühl. Die sanfte „Waterlily“ und die düstere „Mask of Yesterday“ bieten einige der ruhigsten, emotional nacktesten Momente des Albums, aber „Find the Sun“ erreicht einen skurrilen Höhepunkt auf „Monkʼs Robes“, einer volkstümlichen, weitgehend akustischen Nummer mit wirbelnden Melodien. Die Musik klingt flüchtig, aber laut Deradoorian „geht es darum, die Sinnlosigkeit zu akzeptieren, der Realität zu entkommen, Frieden in der Akzeptanz zu finden und mit dem zu arbeiten, was man braucht, um etwas Schönes zu machen“. Das Ganze präsentiert sich wie eine einzige Momentaufnahme – auf einem langen, unsicheren Weg. Trotz seiner dichten Hallwolken könnte „Find the Sun“ ein wunderbares offenes Fenster sein.

monk's robes
saturnine night
DEATH VALLEY GIRLS – under the spell of joy

DEATH VALLEY GIRLS
under the spell of joy LP/CD

„Death Valley Girls are a gift to the world“ (Iggy Pop). Das aktuelle Album der Death Valley Girls beginnt mit „Hypnagogia“, einer Ode an jenen Zustand zwischen Schlaf und Wachsein, der uns andere Bereiche des Bewusstseins eröffnet. Das Lied baut auf einem langsamen, stetigen Puls auf, den Bassist Pickle (Nicole Smith) und Schlagzeuger Rikki Styxx liefern. Eruptives Saxophonblöken der Gastmusikerin Gabe Flores wirbelt über den Orgel-Gedröhn des Gast-Keyboarders Gregg Foreman. Das eindrucksvolle Sieden des Eröffnungstracks gibt dem ekstatischen Rocker „Hold My Hand“ nach, deren Verse in triumphale Refrains explodieren. Von dort aus schwingt sich die Band in den Titeltrack, der die Schmutzigkeit von The Stooges mit der Unschuld eines Kinderchores verbindet, der das Mantra des Albums „Im Bann der Freude / im Bann der Liebe“ singt. Dazu Bonnie Bloomgardens melodische Anrufungen, die „Under the Spell of Joy“ eine dichte, vielfältige Klangwandästhetik verleihen. Death Valley Girls schwankten immer zwischen hell und dunkel und demonstrieren auf „Bliss Out“ ihren überschwänglichen Fokus mit einem patinierten Popsong, der von Keyboarderin The Kid (Laura Kelsey) bestimmt wird. Eine ähnliche kosmische Euphorie wird in „The Universe“ erzielt, wo abwechselnde Akkorde auf der Orgel dazu beitragen, die schwebenden Saxophon- und Keyboardlinien über die Stratosphäre hinaus zu heben. Wenn Sie nach transzendentaler Rockmusik suchen, sind Sie hier genau richtig.

under the spell of joy
the universe
L7 – smell the magic

L7
smell the magic LP

Für uns persönlich waren L7 die Band ihrer Ära – die „Grunge-Jahre“ aus Mangel an einem besseren Namen. Denn wenn es jemals einen Gitarrensound gab, der wirklich „grunge-y“ war, dann kam er von L7. Wir denken, sie haben, metaphorisch ausgedrückt, überall im Nirvana gepisst. Das meinen wir auch so. Aber dann haben wir Hole auch immer Kurt & Co vorgezogen und werteten Babes In Toyland als weitaus interessanter als Mudhoney, Tad oder ähnliche Männerbands. Frauen haben in den frühen 1990ern einen generell interessanteren und aufregenderen Rock ʼnʼ Roll gespielt. Das sei einmal gesagt. Das am besten vergessene Debütalbum von L7 war irgendwie ein ,Idiotʻ. Es klang wie Punks, die Corny-Metal für Freibier spielten. Nur neun Songs, aber alle Killer, kein Füller. L7 war angekommen ... aber fürs Erste ... atme tief ein, atme einen Lungenflügel ein und rieche die Magie!

shove
fast and frightening
DANZIG – sings elvis

DANZIG
sings elvis LP

Schwer zu sagen, wie man dieses Coveralbum bewerten soll. Daher ganz einfach: Die Songauswahl ist absolut grandios – keine viel zu naheliegenden „Hound Dogs“ oder „Blue Suede Shoes“, dafür eine tiefe Kennerschaft mit Toptiteln aus allen Phasen des Meisters aus Tupelo/Mississippi, von Blues („Lonely Blue Boy“) über Country („One Night“) bis Pop („Loving Arms“) und mehr. Wenn man die Originale nicht kennt oder nicht regelmäßig hört, ist „Sings Elvis“ eine sehr charmante Sache bei etwas altbackener, trotzdem oder deshalb passender Produktion. Es handelt sich weder um eine würdelose noch überflüssige Veröffentlichung, die für Danzig-Fans einfach mal kommen musste. Dennoch scheint Danzig hierbei etwas zu viel zu wollen, scheitern doch die Elvis-Interpretationen daran, die mitreißende Gänsehautstimmung der (zugegebenermaßen teilweise nur wenig bekannten) Originale zu übertragen.

one night
always on my mind
 

…und das gefällt uns auch noch:

FREE – live 2LP
NURSE WITH WOUND – merzbild schwet LP
NURSE WITH WOUND – to the quiet men from a tiny girl LP
PURE HELL – noise addiction LP
IDLES – ultra mono LP/CD
THE RESIDENTS – icky flix (original soundtrack recording) 2LPS
THE FALL – austurbæjarbíó - live 1983 2LPS
PETER GREEN – end of the game LP
RUN THE JEWELS – rtj 4 LP/CD
ENNIO MORRICONE – lounge LP
TROPICAL FUCK STORM – a laughing death in meatspace LP
TROPICAL FUCK STORM – braindrops LP
GROUNDHOGS – split 2LPS

 

…dazu noch einige Konzertempfehlungen für die nächsten zwei Wochen:

Do., 08. 10. Clara Luzia (A)
The Loft, 16, Lerchenfelder Gürtel 37
Fr., 09. 10. Arena Beisl Open Air feat. Saloonies (A)
Arena, 3, Wien, Baumgasse 80
Di., 13. 10. Acoustic Tuesday: Raisa Kovacki, Dave McKendry, Sibylle Kefer, Ian Fisher (A)
Chelsea, 8, Wien, Lerchenfeldergürtel U-Bahnbögen 29 - 32
Di., 13. 10. Salah Ammo presents Duo, Quartet & Wiener Diwan (SYR/A)
Porgy & Bess, 1, Wien, Riemergasse 11
Mi., 14. 10. Balu und die Surfgrammeln / The Diabolical Symphony of the Mechanical Age (A)
Chelsea, 8, Wien, Lerchenfeldergürtel U-Bahnbögen 29 - 32
Do., 15. 10. Wiener Blond (A)
Globe Wien, 3, Karl Farkas Gasse 19
 
Buchtipp:Daniela Kirschstein, Johann Georg Lughofer, Uwe Schütte (Hg.)
Gesamtkunstwerk Laibach. Klang, Bild und Politik, Drava Verlag 2020
YouTube-Tipp:https://www.youtube.com/user/dereckvon
dereckvon

 
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